Wenn im Brandfall eine Verglasung ihren Beitrag leisten soll, entscheidet die Feuerwiderstandsklasse darüber, was das Bauteil wie lange leistet. Die Minutenangaben sind dabei nur die halbe Information — erst der Buchstabe davor (E, EW oder EI) sagt aus, ob das Glas nur den Raum abschließt oder auch die Wärme zurückhält. Dieser Beitrag ordnet die Klassen ein, erklärt den Übergang von den alten F-Klassen zu den europäischen Bezeichnungen und zeigt, worauf es in der Planung ankommt.

Was eine Feuerwiderstandsklasse aussagt

Die Feuerwiderstandsklasse beschreibt, wie lange ein Bauteil im genormten Brandversuch definierte Anforderungen erfüllt. Geprüft wird gegen die Einheits-Temperaturzeitkurve, bei der die Temperatur im Prüfofen nach einem festgelegten Verlauf ansteigt. Die Klasse besteht aus einem oder mehreren Buchstaben für die Leistungskriterien und einer Zahl für die Dauer in Minuten.

Wichtig ist das Verständnis: Die Klasse ist kein Materialwert des Glases, sondern das Ergebnis einer Bauteilprüfung. Sie gilt immer für das geprüfte Gesamtsystem — dazu später mehr.

Die Minutenangaben: 30, 60, 90, 120

Die Zahl gibt die Mindestdauer in Minuten an, über die das Bauteil die geforderten Kriterien einhält. Üblich sind:

  • 30 Minuten — feuerhemmend
  • 60 Minuten — hochfeuerhemmend
  • 90 Minuten — feuerbeständig
  • 120 Minuten — höchste übliche Anforderung im Hochbau

Die Stufen sind genormte Klassengrenzen. Ein Bauteil, das im Versuch 47 Minuten hält, wird der Klasse 30 zugeordnet, nicht einer Zwischenstufe. Höhere Werte schließen niedrigere ein: Ein EI 90-Bauteil erfüllt damit auch die Anforderungen an EI 30 und EI 60.

E, EW und EI: der entscheidende Unterschied

Die Buchstaben benennen die Leistungskriterien — und sie sind in der Praxis wichtiger als die Minutenzahl, weil sie über die tatsächliche Schutzwirkung entscheiden.

KlasseKriteriumWas das Bauteil leistet
ERaumabschlussVerhindert den Durchtritt von Flammen und Rauchgasen. Keine Begrenzung der Wärmestrahlung.
EW+ StrahlungsbegrenzungWie E, begrenzt zusätzlich die Wärmestrahlung auf der brandabgewandten Seite (gemessen in 1 m Abstand).
EI+ WärmedämmungWie E, begrenzt zusätzlich die Temperatur auf der brandabgewandten Oberfläche. Schützt vor Wärmedurchtritt.

Der Unterschied ist erheblich: Eine reine E-Verglasung hält Flammen und Rauch zurück, lässt aber Wärmestrahlung passieren — wer dahinter steht, kann sich verbrennen, brennbare Materialien können sich entzünden. EW dämpft diese Strahlung auf ein begrenztes Maß. EI hält die brandabgewandte Seite kühl, der Bereich dahinter bleibt nutzbar und Fluchtwege passierbar.

Vom F-System zu den europäischen Klassen

Lange war in Deutschland die Klassifizierung nach DIN 4102 üblich, mit den bekannten F-Klassen (F30, F60, F90). Die Bezeichnung „F” stand dabei für feuerwiderstandsfähige, raumabschließende Bauteile mit Wärmedämmung. Diese nationale Systematik wird durch die europäische Klassifizierung nach DIN EN 13501-2 abgelöst, die auf europaweit harmonisierten Prüfnormen beruht.

Die F-Klassen lassen sich nicht eins zu eins „umrechnen”, weil die europäischen Klassen die Leistung differenzierter abbilden. Als grobe Orientierung gilt:

Altes System (DIN 4102)Europäisch (DIN EN 13501-2)
F30EI 30
F60EI 60
F90EI 90
G30 / G-KlassenE 30 (nur Raumabschluss)

Die alten G-Klassen entsprachen im Kern dem reinen Raumabschluss ohne Wärmedämmung und finden ihre Entsprechung am ehesten in E. Maßgeblich ist heute die europäische Klassifizierung; die jeweils geforderte Klasse ergibt sich aus der Bauordnung und dem Brandschutzkonzept. Vertiefend dazu der Beitrag Brandschutzglas F30/F60/F90 & EI planen.

Die EI-Stufen im Detail: EI 30, EI 60, EI 90 und EI 120

Weil in Brandschutznachweisen am häufigsten EI-Klassen gefordert werden, lohnt der genauere Blick auf die vier Stufen einer Brandschutzverglasung:

KlasseDauerÜbliche EinordnungTypischer Einsatz
EI 30mind. 30 Min.feuerhemmendinnenliegende Trennwände und Verglasungen zwischen Nutzungseinheiten
EI 60mind. 60 Min.hochfeuerhemmenderhöhte Anforderungen laut Brandschutzkonzept
EI 90mind. 90 Min.feuerbeständigTrennung von Brandabschnitten, Anschluss an feuerbeständige Wände
EI 120mind. 120 Min.höchste übliche Stufebesonders sensible Trennungen mit hoher Schutzanforderung

Die Minutenangabe beschreibt die Leistung unter genormten Prüfbedingungen — sie ist ein vergleichbarer, nachgewiesener Mindestwert, keine Garantie für eine exakte Standzeit im realen Brand, dessen Verlauf von Brandlast, Belüftung und Geometrie abhängt.

Höhere EI-Stufen werden in der Regel durch dickere, mehrschichtige Verbundaufbauten erreicht, deren spezielle Zwischenschichten im Brandfall aufschäumen und eine wärmedämmende, opake Schicht bilden. Mit der geforderten Dauer wachsen deshalb Glasdicke, Gewicht und Schichtanzahl — ein EI-120-Element ist deutlich schwerer als ein EI-30-Element gleicher Größe, mit Folgen für Beschläge, Rahmenprofile, Falztiefen und die Unterkonstruktion. Auch die Optik kann sich ändern: Manche Aufbauten haben eine leichte Eigenfärbung. Wer auf Nummer sicher gehen und einfach eine höhere Stufe einbauen will, kauft sich also Gewicht, Bautiefe und Kosten ein, ohne dass das Brandschutzkonzept es verlangt — Über- wie Unterdimensionierung gehören mit dem Brandschutzplaner abgestimmt.

Wo welche Klasse gefordert ist

Welche Klasse ein Bauteil braucht, leitet sich nicht aus dem Glas ab, sondern aus der Funktion der Wand oder Tür im Brandschutzkonzept. Einige typische Anhaltspunkte:

  • Flucht- und Rettungswege sind besonders sensibel. Hier sind in der Regel Verglasungen mit Wärmedämmung (EI) gefordert, damit der Weg im Brandfall passierbar bleibt und sich keine angrenzenden Bereiche durch Strahlung entzünden. Eine reine E-Verglasung wäre an einer Fluchttür meist unzureichend.
  • Innenliegende Trennwände zwischen Nutzungseinheiten oder Brandabschnitten folgen den Anforderungen an die jeweilige Wand — häufig EI 30 oder EI 90.
  • Fassaden und Außenwände können in bestimmten Konstellationen mit EW ausgeführt werden, wenn die Strahlungsbegrenzung ausreicht und keine vollständige Wärmedämmung verlangt wird.

Die konkrete Anforderung steht im Brandschutznachweis des Projekts. Sie ist projektspezifisch und ergibt sich aus Gebäudeklasse, Nutzung und der Lage des Bauteils. Verbindlich ist immer die Festlegung des Brandschutzplaners, nicht eine pauschale Faustregel.

Die Klasse gilt für das Gesamtsystem

Ein zentraler und oft unterschätzter Punkt: Die Feuerwiderstandsklasse gilt nie für die Glasscheibe allein, sondern für das geprüfte Gesamtsystem aus Glas, Rahmen, Verglasungsklötzen, Dichtungen und Befestigung. Das Brandschutzglas ist nur eine Komponente.

Daraus folgt für die Planung:

  • Glas und Rahmenprofil müssen als geprüfte Kombination verwendet werden. Ein EI-90-Glas in einem nicht dafür geprüften Rahmen ergibt kein EI-90-Bauteil.
  • Auch maximale Abmessungen, zulässige Glasflächen und die Einbaurichtung sind Teil des Prüfumfangs. Wer ein System außerhalb seines Anwendungsbereichs einsetzt, verliert die Klassifizierung.
  • Der Verwendbarkeitsnachweis (z. B. allgemeines bauaufsichtliches Prüfzeugnis oder europäische Klassifizierung mit zugehörigem Anwendungsbereich) muss zum konkreten Einbau passen.

Diese Systembindung ist der häufigste Grund für Beanstandungen: Das Glas „stimmt”, aber die Kombination war nie als Ganzes geprüft. Hintergründe zur übergreifenden Glasbau-Norm liefert der Beitrag DIN 18008.

Häufige Stolperstellen in der Praxis

In Projekten zeigen sich immer wieder dieselben Punkte, die zu Verzögerungen oder Nachbesserungen führen:

  • Glas und Rahmen aus verschiedenen Systemen kombiniert, ohne dass die Kombination geprüft ist.
  • Abmessungen über dem zulässigen Anwendungsbereich des Nachweises — besonders bei großen, ungeteilten Scheiben.
  • EI mit E verwechselt: Ein Brandglas, das nur Raumabschluss leistet, wird dort eingebaut, wo Wärmedämmung gefordert wäre.
  • Anschlüsse und Durchdringungen (etwa zu Boden, Decke oder angrenzenden Bauteilen), die nicht Teil der geprüften Konstruktion sind.

Diese Punkte lassen sich vermeiden, indem der Verwendbarkeitsnachweis des angebotenen Systems gegen die Anforderung im Brandschutznachweis abgeglichen wird — vor der Beauftragung, nicht nach der Lieferung.

Unsere Rolle

GlasLotsen verkauft kein Glas und ist herstellerneutral. Wir ordnen die im Brandschutznachweis geforderte Klasse für Sie ein, prüfen, ob ein angebotenes Brandschutzglas samt Rahmensystem den geforderten Nachweis (E, EW oder EI in der jeweiligen Minutenstufe) tatsächlich als geprüfte Kombination erbringt, und vermitteln bei Bedarf zu passenden Lieferanten oder Prüfstellen. So vermeiden Sie die typische Lücke zwischen „richtigem Glas” und „falscher Systemkombination”.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen E, EW und EI?

E steht für reinen Raumabschluss — das Bauteil hält Flammen und Rauchgase zurück, lässt aber Wärmestrahlung durch. EW ergänzt eine Begrenzung dieser Strahlung auf der brandabgewandten Seite. EI fügt zusätzlich die Wärmedämmung hinzu: Die Oberfläche auf der abgewandten Seite bleibt kühl, sodass der Bereich dahinter geschützt und passierbar bleibt. Für Fluchtwege ist meist EI gefordert.

Entspricht F30 genau EI 30?

Als Orientierung wird F30 üblicherweise EI 30 zugeordnet, F90 dem EI 90. Eine exakte Umrechnung gibt es jedoch nicht, weil das europäische System nach DIN EN 13501-2 die Leistung differenzierter klassifiziert als das alte F-System nach DIN 4102. Maßgeblich ist immer die im aktuellen Brandschutznachweis geforderte europäische Klasse, nicht eine pauschale Gleichsetzung.

Reicht es, ein zertifiziertes Brandschutzglas zu kaufen?

Nein. Die Feuerwiderstandsklasse gilt für das geprüfte Gesamtsystem aus Glas, Rahmen, Dichtungen und Befestigung — nicht für die Scheibe allein. Ein EI-90-Glas erbringt seine Leistung nur in einem dafür geprüften Rahmen und innerhalb der zulässigen Abmessungen. Entscheidend ist der zum Einbau passende Verwendbarkeitsnachweis für die konkrete Kombination.

Woraus ergibt sich die geforderte Klasse?

Nicht aus dem Glas, sondern aus der Funktion der Wand oder Tür im Brandschutzkonzept des Gebäudes. Welche Feuerwiderstandsdauer und welches Schutzziel gefordert sind, legt das Konzept fest — das passende Bauteil folgt daraus. Wer umgekehrt vom verfügbaren Glas her plant, landet häufig bei einer Klasse, die zur Einbausituation nicht passt.

Was ist der Unterschied zwischen EI 30 und EI 90?

Beide Stufen leisten Raumabschluss und Wärmedämmung, unterscheiden sich aber in der Dauer: EI 30 hält die Kriterien im Brandversuch mindestens 30 Minuten, EI 90 mindestens 90 Minuten. EI 90 schließt die Anforderungen an EI 30 ein — braucht dafür aber meist einen dickeren, schwereren Aufbau. Welche Stufe nötig ist, legt das Brandschutzkonzept anhand der Funktion des Bauteils fest.

Kann ich vorsichtshalber eine höhere Stufe einbauen?

Formal erfüllt eine höhere EI-Stufe auch die niedrigere Anforderung — automatisch sinnvoll ist das nicht. Höhere Stufen bedeuten dickere, schwerere Aufbauten mit Folgen für Statik, Beschläge, Rahmen und Bautiefe, und sie kosten deutlich mehr. Maßgeblich ist die im Brandschutznachweis geforderte Stufe; Abweichungen nach oben oder unten gehören mit dem Brandschutzplaner abgestimmt.