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Sonnenschutzglas im Passiv

Sonnenschutzglas im Passiv

Wer heute ein Passivhaus plant, weiß: Wir bauen keine statischen Gebäude mehr, sondern fein abgestimmte, lebendige Ökosysteme. Hier geht es nicht nur darum, ein bisschen Heizkosten zu sparen, sondern ein perfektes Gleichgewicht aus Wärmeleitung, Strahlung und Tageslicht zu schaffen.


Das Fenster übernimmt dabei eine Doppelrolle, die an einen energetischen Drahtseilakt erinnert: Im Winter gieren wir nach der gratis Heizenergie der Sonne, im Sommer aber wollen wir auf keinen Fall im eigenen Wohnzimmer „gegrillt“ werden.

Genau hier wird das Sonnenschutzglas zur energetischen Schlüsselkomponente.Aber wie findet man die Balance, ohne dass das Haus zur dunklen Höhle wird?


Die magische Formel für Planer: Mehr als nur Zahlen


Um zu verstehen, wie modernes Glas – wie etwa die SOLARLUX®-Serie – funktioniert, muss man kein Physiker sein. Aber man sollte die „Heilige Dreifaltigkeit“ der Kennwerte kennen, die über Erfolg oder Scheitern des Raumklimas entscheiden:


1. Der U-Wert (Wärmedurchgangskoeffizient)

Er zeigt uns, wie viel teure Heizwärme nach draußen flüchtet.Im Passivhaus-Standard ist ein Wert von Uw ≤ 0,8 W/(m²K) oder niedriger das Maß der Dinge (bei Dreifachverglasung oft sogar 0,5–0,6 W/(m²K)).


2. Der g-Wert (Gesamtenergiedurchlassgrad)

Er ist der „Türsteher“ für die Sonnenenergie.Ein hoher Wert liefert Heizgewinne im Winter, führt aber ohne Schutz zum sommerlichen Kollaps des Klimas.


3. Der LT-Wert (Lichttransmission)

Oft stiefmütterlich behandelt, aber entscheidend für unser Wohlbefinden.Er gibt an, wie viel Prozent des echten Tageslichts tatsächlich im Raum ankommen.


Das Geheimnis der Hochselektivität


Ein wirklich hochwertiges Glas erkennt man am Verhältnis zwischen Licht und Wärme.Die Formel lautet:

LT-Wert / g-Wert = Selektivität

Liegt dieser Quotient über 1,6 (wie z. B. bei der Serie SOLARLUX A71), sprechen wir von echter Hochselektivität.Das bedeutet: Maximales Tageslicht bei minimalem unerwünschtem Wärmeeintrag.


Warum „Standard-Glas“ im Passivhaus oft scheitert


Ein klassisches Wärmeschutzglas ist darauf optimiert, die Wärme im Haus zu halten (niedrige Emissivität). Im tiefsten Winter ist das hervorragend.

Doch im Juli verwandeln große Glasflächen das Gebäude in einen gigantischen Heizkörper.

Moderne Lösungen wie die SOLARLUX A-Serie (A71, A61, A51, A40) setzen hier an. Sie nutzen selektive Multifunktionsbeschichtungen aus Edelmetallen. Diese reflektieren langwellige Wärmestrahlung, bevor sie ins Gebäudeinnere gelangt, während kurzwellige Lichtanteile weitgehend passieren können.


Das Ergebnis: Helle Räume ohne übermäßige Aufheizung.


Strategische Planung: Jede Fassade ist anders

Ein häufiger Fehler ist es, das gesamte Gebäude mit dem gleichen Glastyp auszustatten. Profis planen differenziert nach Himmelsrichtung:


Südfassade

Hier braucht es ein Gleichgewicht.Ein g-Wert zwischen 0,45 und 0,55 ermöglicht solare Gewinne im Winter, ohne im Sommer zu überhitzen.


Ost- & Westfassaden

Flach einfallende Sonne führt hier schnell zu Überhitzung.Da kaum Wintergewinne genutzt werden können, darf der Sonnenschutz stärker ausfallen (g-Werte 0,25–0,35).


Nordfassade

Hier zählt Licht.Hohe Lichttransmission (LT > 70 %) und ein sehr guter U-Wert stehen im Vordergrund, da keine direkte Sonneneinstrahlung erfolgt.


High-End-Features: Wenn Glas mitdenkt


Glas kann heute weit mehr als nur transparent sein.


Verschattungsfaktor (Fc-Wert)

In Kombination mit externen Systemen wie Raffstores lässt sich der effektive Gesamtenergiedurchlassgrad (gₑff) auf unter 0,10 senken – ein maximaler Hitzeschild.


Innenliegende Jalousien (Variodirekt)

Systeme wie SOLARLUX variodirekt integrieren den Sonnenschutz im Scheibenzwischenraum – wartungsarm und architektonisch klar.


Funktransparenz (Connect-Serie)

Beschichtungen können so strukturiert werden, dass Mobilfunkwellen durchgelassen werden, ohne die Dämmwirkung zu verschlechtern.


BIPV & Energiegewinnung

Die Kombination mit gebäudeintegrierter Photovoltaik macht das Fenster selbst zum Energielieferanten.


Die Profi-Formel für Ihr Projekt


Als Orientierung:

  • Uw < 0,8 W/(m²K)

  • g ≈ 0,45

  • LT > 60 %

  • Fc < 0,10


Technik, die man nicht sieht, aber spürt


Sonnenschutzglas ist im modernen Passivhaus kein optionales Zubehör, sondern ein zentrales Element der Energie- und Komfortstrategie.

Wer hier falsch entscheidet, zahlt später – entweder durch hohe Kühlkosten oder durch Komfortverlust im Sommer.

Moderne Gläser ermöglichen das, was Architektur leisten soll: Transparenz nach außen bei kontrolliertem Klima im Inneren – ganzjährig.


FAQ


Was unterscheidet Sonnenschutzglas von reinem Wärmeschutzglas?Wärmeschutzglas reduziert primär Wärmeverluste nach außen. Sonnenschutzglas kombiniert Wärmedämmung mit aktiver Reduktion solaren Wärmeeintrags.


Wird es durch die Beschichtung dunkler im Raum?Moderne Gläser besitzen eine hohe Selektivität und neutrale Farbwiedergabe. Die Lichttransmission bleibt hoch.


Ist Sonnenschutzglas förderfähig?Im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) oder über Förderprogramme der KfW sind Zuschüsse möglich, sofern die technischen Anforderungen (z. B. Uw ≤ 0,95 W/(m²K)) erfüllt werden.


Gibt es Kombinationen mit Vogelschutz?Ja. Sonnenschutzgläser lassen sich mit sichtbaren Mustern für Vögel kombinieren, die für Menschen nahezu unsichtbar bleiben.

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