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Der g-Wert im Überblick: Physik, Wirkung und Bedeutung

Der g-Wert in der modernen Glasarchitektur


In der heutigen Architektur ist Glas weit mehr als nur ein transparentes Baumaterial, das Licht in unsere Räume lässt. Es ist ein hochkomplexes Bauteil, das maßgeblich über die Energieeffizienz, den thermischen Komfort und die Lebenszykluskosten eines Gebäudes entscheidet. Wenn wir über nachhaltiges Bauen sprechen, fällt oft der Begriff des U-Werts. Doch für den sommerlichen Wärmeschutz und die tatsächliche Behaglichkeit ist eine andere Kennzahl von entscheidender Bedeutung: der g-Wert, auch bekannt als der Gesamtenergiedurchlassgrad.


Warum spielt dieser Wert für Architekten, Fachplaner und Investoren eine so zentrale Rolle? Und wie lassen sich mit technologisch fortschrittlichen Verglasungen – etwa den Systemen von ISOLAR / SOLARLUX® – Gebäude schaffen, die ohne massive Kühlleistung auskommen? In diesem ausführlichen Leitfaden gehen wir der Sache auf den Grund.


Was ist der g-Wert? Eine physikalische Einordnung


Der g-Wert beschreibt, wie viel Prozent der einfallenden Sonnenenergie durch eine Verglasung ins Innere eines Raumes gelangen. Er ist damit das Maß für die solare Aufheizung. Doch die Physik dahinter ist zweigeteilt, denn die Energie erreicht uns nicht nur durch das sichtbare Licht.


Die zwei Säulen des g-Werts


Um den g-Wert wirklich zu verstehen, muss man wissen, dass er sich aus zwei energetischen Komponenten zusammensetzt:


Direkte Transmission:Dies ist der Anteil der kurzwelligen Sonnenstrahlung, der die Verglasung unmittelbar durchdringt. Man kann es sich wie die Wärme vorstellen, die man sofort spürt, wenn die Sonne durch das Fenster scheint.


Sekundäre Wärmeabgabe:Ein Teil der Strahlung wird von der Glasscheibe selbst absorbiert. Dadurch erwärmt sich das Glas. Diese Wärme wird anschließend in Form von langwelliger Strahlung (Konvektion und Wärmestrahlung) zeitverzögert in den Raum abgegeben.

Ein g-Wert von 0,60 bedeutet also, dass insgesamt 60 % der Energie im Raum landen. Das ist für ein Fenster auf der Nordseite im Winter ein Gewinn, kann aber bei einer großflächigen Südfassade im Juli zu unerträglichen Temperaturen führen.


Der g-Wert im bauphysikalischen Kontext: Das Quartett der Kennzahlen


Der g-Wert existiert nicht im luftleeren Raum. Er ist Teil eines komplexen Gefüges aus bauphysikalischen Werten, die gemeinsam die Leistung einer Gebäudehülle definieren. Ein professioneller Planer balanciert folgende vier Werte aus:


Kennzahl

Bedeutung

Zielsetzung

U-Wert (W/m²K)

Wärmedurchgangskoeffizient: Beschreibt, wie viel Wärme im Winter verloren geht.

Möglichst niedrig

g-Wert (%)

Gesamtenergiedurchlass: Beschreibt den Energieeintrag durch die Sonne.

Abhängig von Ausrichtung & Nutzung

LT-Wert (%)

Lichttransmission: Gibt an, wie viel sichtbares Tageslicht durchgelassen wird.

Möglichst hoch, um Kunstlicht zu sparen

Ra-Wert

Farbwiedergabeindex: Beschreibt die natürliche Farbwirkung des Lichts.

≥ 90, für eine authentische Lichtatmosphäre

Während der U-Wert primär die Energieverluste minimiert, ist der g-Wert die Stellschraube für die Energiegewinne. Die Kunst der Planung besteht darin, beide Werte so abzustimmen, dass im Winter solare Gewinne genutzt werden, während im Sommer keine Überhitzung stattfindet.


Messung und Standards: Warum Sie den Zahlen vertrauen können


Die Bestimmung des g-Werts ist kein Schätzwert, sondern unterliegt strengen internationalen Normen wie der EN 410 und der ISO 9050. Hierbei wird das Verhalten der Verglasung über den gesamten relevanten Wellenlängenbereich von 300 bis 2500 nm analysiert.


Für Architekten ist dies von essenzieller Bedeutung: Dank normierter Prüfspektren und definierter Einstrahlungswinkel sind die Werte unterschiedlicher Hersteller (wie ISOLAR oder SOLARLUX®) direkt vergleichbar. Diese objektive Datenbasis ermöglicht es, die Werte direkt in moderne Simulations- und Planungstools wie Dialux, Revit oder PHPP (Passivhaus-Projektierungspaket) zu integrieren.


Selektivität: Der „Heilige Gral“ der Fenstertechnik


Eines der wichtigsten Qualitätsmerkmale moderner Sonnenschutzgläser ist die Selektivität (S). Früher bedeutete ein starker Sonnenschutz (niedriger g-Wert) fast immer auch ein dunkleres Glas (niedriger LT-Wert). Das Gebäude wirkte von innen oft grau oder getönt.

Moderne Beschichtungstechnologien haben dieses Problem gelöst. Die Selektivität beschreibt das Verhältnis von Lichtdurchlass zu Energieeintrag:


S = LT / g


Ein Selektivitätswert von über 1,5 gilt bereits als sehr gut. Hochmoderne Verglasungen erreichen heute Werte von bis zu 1,9. Das bedeutet im Klartext: Wir bekommen fast doppelt so viel Licht wie Wärme in den Raum. Diese hohe Transparenz bei gleichzeitig effektivem Hitzeschutz ist der Schlüssel zu lichtdurchfluteten Gebäuden, die dennoch energieeffizient bleiben.


Produktbeispiele: Technologie trifft Ästhetik


Die SOLARLUX®-Produktlinie zeigt eindrucksvoll, wie differenziert die Auswahl heute ist. Je nach Anforderung an die Fassade stehen unterschiedliche Glastypen zur Verfügung:

Glasaufbau

Lichttransmission (LT %)

g-Wert (%)

U-Wert (W/m²K)

Farbwiedergabe (Ra)

A71

70

37

1,0

96

A61

61

33

1,0

93

D60

58

40

1,1

97

E71

70

39

1,0

97

Diese Tabelle verdeutlicht die Flexibilität: Ein Architekt kann für die schattigere Nordseite das E71 wählen, um die Helligkeit zu maximieren, während er für die Südseite das A61 nutzt, um den Energieeintrag auf ein Minimum zu reduzieren – und das bei fast identischer Optik der Fassade.


Einflussfaktoren: Was den g-Wert in der Praxis verändert


Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass der g-Wert ein fixer, unveränderlicher Materialwert ist. In der Realität beeinflussen mehrere Faktoren seine Wirksamkeit:


Beschichtungstechnologie:Hochmoderne Schichtsysteme (z. B. auf Silberbasis) reflektieren gezielt die infrarote Strahlung, während sie das sichtbare Spektrum passieren lassen.


Mehrscheibenaufbau:Ein 3-fach-Isolierglas bietet durch seine zusätzlichen Kammern und Edelgasfüllungen (Argon oder Krypton) mehr Möglichkeiten, den g-Wert präzise einzustellen.


Einbauwinkel & Orientierung:Der Einstrahlungswinkel der Sonne hat einen direkten Effekt. Eine vertikale Fassade reagiert anders als eine geneigte Dachverglasung.


Dynamische Systeme:Mit Innovationen wie SOLARLUX® VarioDirect lässt sich der g-Wert sogar variabel steuern. Durch Jalousien im Scheibenzwischenraum kann der Nutzer entscheiden: Will ich jetzt solare Wärme (offen) oder maximalen Schutz (geschlossen)?


Der wirtschaftliche Effekt


Betrachten wir ein typisches Bürogebäude mit einem Glasanteil von 50 % an der Südseite. Im Sommer treffen hier oft über 400 W/m² an Strahlungsenergie auf die Fassade.


Szenario A (Standardglas, g = 0,60):Hier gelangen rund 240 W/m² als Wärmeenergie in den Raum. Das erfordert massive Investitionen in Klimatisierung und hohe laufende Stromkosten.


Szenario B (Sonnenschutzglas, g = 0,35):Die Wärmelast sinkt auf 140 W/m². Das ist eine Reduktion der Kühllast um über 40 % – bei nahezu identischer Lichtqualität.


Ein Baustein für die Architektur der Zukunft


Ein optimal gewählter g-Wert ist heute ein unverzichtbares Planungsinstrument. Er ist der Garant für thermische Behaglichkeit, ohne dass wir uns in technologische Abhängigkeiten von riesigen Klimaanlagen begeben müssen.


Verglasungen von ISOLAR / SOLARLUX® beweisen, dass technische Höchstleistung und architektonische Designfreiheit Hand in Hand gehen können. Sie ermöglichen Räume, die lichtdurchflutet sind, natürliche Farben wiedergeben und gleichzeitig ein stabiles, angenehmes Klima halten. Letztlich ist der g-Wert mehr als eine Zahl – er ist der Schlüssel zu Gebäuden, die für Menschen gebaut sind und die Umwelt respektieren.


FAQ – Häufige Fragen zum g-Wert im Detail


1. Was ist ein „idealer“ g-Wert für mein Haus?

Das hängt von Ihrer Priorität ab. Wollen Sie im Winter Heizkosten sparen (höherer g-Wert) oder im Sommer ein kühles Haus (niedriger g-Wert)? In Deutschland empfiehlt sich für große Fensterflächen oft ein Wert zwischen 0,30 und 0,45.


2. Warum ist der Farbwiedergabeindex (Ra) beim g-Wert wichtig?

Manche billigen Sonnenschutzgläser wirken von innen grünlich oder bläulich. Ein hoher Ra-Wert (über 90) stellt sicher, dass Gesichter, Pflanzen und Möbel in ihren natürlichen Farben erscheinen – trotz der Schutzschicht auf dem Glas.


3. Kann ich den g-Wert nachträglich ändern?

Nachträglich aufgebrachte Folien können den g-Wert senken, erreichen aber selten die Effizienz und Haltbarkeit von industriell beschichtetem Glas. Die beste Lösung ist die Integration von dynamischen Systemen wie VarioDirect direkt beim Bau.


4. Wie hängen g-Wert und U-Wert zusammen?

Sie sind komplementär. Der U-Wert schützt vor Kälte von außen, der g-Wert steuert die Hitze von außen. Ein modernes Fenster optimiert beide Werte gleichzeitig, um ganzjährig Energie zu sparen.





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