Brandschutzglas verbindet Transparenz mit Sicherheit — doch die Auswahl beginnt mit der richtigen Feuerwiderstandsklasse. Wer „F30” plant, meint heute meist „EI 30”. Dieser Beitrag erklärt die Klassen, den entscheidenden Unterschied zwischen E, EW und EI und wie Architekt:innen die passende Verglasung für ihr Brandschutzkonzept wählen.

Von F zu EI: die Klassen im Wandel

Lange war die Bezeichnung F30 / F60 / F90 üblich — die Zahl steht für die Feuerwiderstandsdauer in Minuten. Mit der europäischen Normung (DIN EN 13501-2) gelten heute die Kurzzeichen E, EW und EI. Die alte F-Klasse entspricht im Kern der heutigen EI-Klasse: F30 ≈ EI 30, F90 ≈ EI 90. In Ausschreibungen tauchen beide Schreibweisen noch auf — wichtig ist, das gemeinte Schutzziel zu kennen.

E, EW, EI — der entscheidende Unterschied

Die drei Buchstaben beschreiben, was die Verglasung im Brandfall leistet:

KlasseLeistung
ERaumabschluss — hält Flammen und Rauch zurück
EWE + begrenzte Strahlungsreduktion
EIE + Wärmedämmung — die brandabgewandte Seite bleibt kühl

Der Unterschied ist planungsentscheidend: E/EW-Glas hält das Feuer zurück, lässt aber Wärmestrahlung durch — man könnte sich an der Scheibe verbrennen und brennbare Stoffe dahinter könnten sich entzünden. EI-Glas dämmt zusätzlich die Hitze, sodass die geschützte Seite kühl bleibt. Für Flucht- und Rettungswege, an denen Menschen entlanggehen, ist deshalb meist EI gefordert.

Welche Klasse wofür?

Die erforderliche Klasse ergibt sich aus dem Brandschutzkonzept des Gebäudes und der Landesbauordnung, nicht aus dem Glas. Grobe Orientierung:

  • EI 30: Verglasungen in Trennwänden, Bürobereiche, untergeordnete Brandabschnitte.
  • EI 60 / EI 90: höhere Anforderungen, Brandwände, Sonderbauten.
  • E / EW: dort, wo nur der Raumabschluss zählt und keine Personen direkt an der heißen Scheibe vorbeimüssen — etwa Oberlichter.

Maßgeblich ist immer der Verwendbarkeitsnachweis für das konkrete System aus Glas, Rahmen und Befestigung.

Glas, Rahmen, System — immer als Einheit

Ein häufiger Planungsfehler: Brandschutz wird allein dem Glas zugeschrieben. Tatsächlich ist die Feuerwiderstandsklasse eine Eigenschaft des geprüften Gesamtsystems aus Brandschutzglas, Rahmenprofil, Dichtungen und Befestigung. Nur in der geprüften Kombination gilt die Klassifizierung. Ein EI-90-Glas in einem ungeprüften Rahmen erreicht die Klasse nicht. Deshalb darf die Komponentenwahl nicht gemischt werden.

Wie Brandschutzglas funktioniert

Brandschutzgläser arbeiten je nach Klasse unterschiedlich. E/EW-Gläser sind oft spezielle vorgespannte Monogläser, die der Hitze standhalten. EI-Gläser besitzen zwischen den Scheiben transparente Gel- oder Blähschichten: Im Brandfall schäumen diese auf, werden opak und bilden eine hitzedämmende, isolierende Barriere. Mehr zum Aufbau auf der Produktseite Brandschutzglas.

Transparenz und Gestaltung

Brandschutz muss heute nicht mehr nach Brandschutz aussehen. Moderne EI-Verglasungen sind klar und lassen sich in raumhohe, filigrane Konstruktionen integrieren. So bleiben Sichtbezüge, Tageslicht und offene Raumwirkung erhalten, während die Anforderungen erfüllt werden. Bei höheren Klassen nimmt allerdings die Glasdicke und das Gewicht zu — ein Punkt für die Tragwerks- und Detailplanung.

Typische Planungsfehler

  • E/EW statt EI an Rettungswegen — Wärmestrahlung übersehen.
  • Glas und Rahmen gemischt aus verschiedenen, nicht gemeinsam geprüften Systemen.
  • Gewicht und Dicke höherer Klassen nicht in Statik und Beschlag eingeplant.
  • Anschlussdetails (Boden, Decke, Wand) nicht brandschutzgerecht ausgeführt.

Brandschutzglas und andere Funktionen

Oft muss Brandschutz mit weiteren Eigenschaften kombiniert werden — Schall-, Sonnen- oder Einbruchschutz. Das ist möglich, erhöht aber die Komplexität des Aufbaus und muss vom Hersteller geprüft sein. Hier lohnt die frühe, neutrale Abstimmung, damit sich die Funktionen nicht gegenseitig ausschließen.

Brandschutzglas an Flucht- und Rettungswegen

Besondere Sorgfalt gilt Flucht- und Rettungswegen. Hier bewegen sich im Brandfall Menschen unmittelbar an der Verglasung entlang — die brandabgewandte Seite muss daher kühl bleiben, damit niemand durch Wärmestrahlung gefährdet wird oder Materialien sich entzünden. Genau das leistet nur die EI-Klasse. Eine reine E- oder EW-Verglasung am Fluchtweg ist deshalb regelmäßig unzureichend, selbst wenn sie das Feuer formal zurückhält. Hinzu kommt: An Rettungswegen sind oft auch Anforderungen an Türen, Bedienbarkeit und Verrauchung zu beachten, die in das Gesamtkonzept einfließen. Wer hier die Klasse korrekt aus dem Flucht- und Rettungswegekonzept ableitet, vermeidet die gefährlichste und häufigste Fehlentscheidung beim Brandschutzglas.

Wartung, Prüfung und Lebensdauer

Brandschutzverglasungen sind sicherheitsrelevante Bauteile und unterliegen je nach Bauordnung und Nutzung wiederkehrenden Prüfpflichten. Beschädigte Gläser, defekte Dichtungen oder nachträglich veränderte Anschlüsse können die Klassifizierung aufheben. Wichtig ist, dass über die Lebensdauer nichts am geprüften System verändert wird — auch nicht durch scheinbar harmlose Umbauten wie zusätzliche Beschläge oder Folien. Die Dokumentation des Verwendbarkeitsnachweises sollte aufbewahrt werden, damit im Prüf- oder Schadensfall die Konformität belegt ist.

Kosten und Wirtschaftlichkeit

Brandschutzglas ist deutlich teurer als Standardverglasung — und die Kosten steigen mit der Klasse: EI 90 ist erheblich aufwändiger als EI 30, weil mehr und dickere Schichten nötig sind. Der häufigste wirtschaftliche Fehler ist Überdimensionierung: Wird pauschal die höchste Klasse geplant, obwohl das Brandschutzkonzept nur EI 30 verlangt, entstehen unnötige Kosten und Gewicht. Umgekehrt ist Untermaß ein Sicherheits- und Genehmigungsrisiko. Die exakte Ableitung der erforderlichen Klasse je Einbauort ist deshalb auch eine Kostenfrage — und der Grund, warum sich die frühe, neutrale Klärung rechnet.

Unsere Rolle

Wir ordnen die geforderte Feuerwiderstandsklasse aus dem Brandschutzkonzept und der Bauordnung ein, prüfen E/EW/EI für den jeweiligen Einbauort, achten auf das geprüfte Gesamtsystem und vermitteln Hersteller und Verarbeiter — herstellerunabhängig und dokumentiert. So wird aus einer abstrakten Brandschutzanforderung eine konkrete, normsichere Verglasung.

Vertiefend: Feuerwiderstandsklassen im Überblick und die DIN 18008.

Häufige Fragen

Ist F30 dasselbe wie EI 30? Im Kern ja. F30 ist die alte deutsche Bezeichnung, EI 30 die heutige europäische. Beide bezeichnen 30 Minuten Feuerwiderstand mit Wärmedämmung. In Ausschreibungen sollte die aktuelle EI-Schreibweise verwendet werden.

Was bedeutet das „I” in EI? Das „I” (Isolation) steht für Wärmedämmung: Die brandabgewandte Seite bleibt kühl. Fehlt das I (also nur E oder EW), wird die Wärmestrahlung nicht ausreichend reduziert.

Reicht Brandschutzglas allein? Nein. Die Feuerwiderstandsklasse gilt nur für das geprüfte Gesamtsystem aus Glas, Rahmen und Befestigung. Einzelkomponenten verschiedener Systeme dürfen nicht gemischt werden.

Kann Brandschutzglas transparent sein? Ja. Moderne EI-Gläser sind im Normalzustand klar und durchsichtig. Erst im Brandfall werden die dämmenden Schichten opak.