top of page

Materialauswahl Architekturglas: ESG, VSG, TVG und Floatglas richtig einsetzen

Die Wahl des richtigen Glastyps ist eine der grundlegendsten Entscheidungen in der Gebäudeplanung. Floatglas, ESG, TVG oder VSG – jeder Typ hat spezifische Eigenschaften, Anwendungsbereiche und Normvorgaben. GlasLotsen gibt Architekten und Planern einen vollständigen Überblick, damit die richtige Entscheidung von Anfang an getroffen wird.

Floatglas: Die Basis für alle Glastypen

Floatglas ist das Ausgangsmaterial für nahezu alle Glasprodukte im Bauwesen. Es wird durch das Float-Verfahren hergestellt, bei dem flüssiges Glas auf einem Zinnbad ausgebreitet und zu einer gleichmäßig dicken Scheibe abgekühlt wird. Floatglas hat eine sehr hohe optische Qualität, ist aber mechanisch relativ empfindlich: Es bricht bei Stoßbelastung in große, scharfe Scherben. Für die meisten Anwendungen im Bauwesen ist Floatglas daher nicht geeignet – es dient als Ausgangsmaterial für weiterverarbeitete Glastypen. Ausnahmen sind Anwendungen ohne Sicherheitsanforderungen, z.B. Bilderrahmen oder Vitrinen.

ESG: Einscheibensicherheitsglas für mechanisch beanspruchte Anwendungen

ESG (Einscheibensicherheitsglas) wird durch thermisches Vorspannen von Floatglas hergestellt. Die Scheibe wird auf ca. 620°C erhitzt und dann schnell abgekühlt. Dabei entstehen Druckspannungen an der Oberfläche und Zugspannungen im Inneren, die die Biegezugfestigkeit auf das 3- bis 5-fache gegenüber Floatglas erhöhen. Im Bruchfall zerfällt ESG in kleine, stumpfe Krümel – das ist das charakteristische Bruchbild und ein wichtiges Sicherheitsmerkmal. ESG eignet sich für: Türen und Seitenscheiben, Brüstungen und Geländer, Duschkabinen, Tischplatten, Treppenstufen und alle Anwendungen mit erhöhter mechanischer Beanspruchung. Wichtig: ESG kann nach dem Vorspannen nicht mehr bearbeitet werden – Zuschnitt, Bohrungen und Ausschnitte müssen vor dem Vorspannen erfolgen.

VSG: Verbundsicherheitsglas für Sicherheit und Resttragfähigkeit

VSG (Verbundsicherheitsglas) besteht aus mindestens zwei Glasscheiben, die durch eine oder mehrere PVB-Folien (Polyvinylbutyral) oder andere Zwischenlagen miteinander verbunden sind. Im Bruchfall hält die Folie die Scherben zusammen – die Scheibe bleibt in der Öffnung und bietet weiterhin Schutz. Diese Resttragfähigkeit ist das entscheidende Merkmal von VSG und macht es zur Pflicht für: Überkopfverglasungen, absturzsichernde Verglasungen, Begehbare Verglasungen, Schallschutzverglasungen (PVB-Folie als Dämpfungsschicht) sowie Einbruchschutzverglasungen. VSG kann aus Floatglas, ESG oder TVG hergestellt werden – die Kombination bestimmt die Eigenschaften des Endprodukts.

TVG: Teilvorgespanntes Glas als Kompromiss

TVG (teilvorgespanntes Glas) ist ein Mittelweg zwischen Floatglas und ESG. Es wird ähnlich wie ESG vorbehandelt, aber mit geringerer Vorspannung. Die Biegezugfestigkeit ist ca. 1,5-fach höher als bei Floatglas, das Bruchbild ähnelt eher Floatglas (größere Scherben). TVG eignet sich besonders für Anwendungen, bei denen ESG wegen des Spontanbruchrisikos durch NiS-Einschlüsse ungeeignet ist, aber eine höhere Festigkeit als Floatglas gefordert wird. Typische Anwendungen sind: Fassadenverglasungen mit großen Scheiben, Überkopfverglasungen in VSG-Aufbau sowie Anwendungen mit erhöhtem Risiko für thermischen Glasbruch.

Normative Anforderungen: Welcher Glastyp ist wo vorgeschrieben?

Die DIN 18008 und die Landesbauordnungen legen fest, welcher Glastyp in welcher Anwendung eingesetzt werden muss. Absturzsichernde Verglasungen (Brüstungen, Geländer, Balkone): VSG aus ESG oder TVG. Überkopfverglasungen: VSG, mindestens eine Scheibe aus ESG oder TVG. Begehbare Verglasungen: VSG aus ESG oder TVG mit Nachweis der Resttragfähigkeit. Türen und Seitenscheiben: ESG oder VSG. Für alle anderen Anwendungen ist Floatglas grundsätzlich zulässig, sofern keine besonderen Anforderungen bestehen. GlasLotsen prüft die normativen Anforderungen für Ihr Projekt.

Kosten im Vergleich: Was kosten die verschiedenen Glastypen?

Als Richtwerte für 6 mm Glas (ohne Beschichtung, ohne Montage): Floatglas ca. 15–25 Euro/m², ESG ca. 40–70 Euro/m², TVG ca. 35–60 Euro/m², VSG (2x4 mm Float + PVB) ca. 50–80 Euro/m², VSG aus ESG ca. 80–130 Euro/m². Die Preise variieren stark je nach Größe, Sonderanforderungen und Hersteller. Bei großen Projekten empfiehlt GlasLotsen eine Ausschreibung mit mehreren Anbietern. Wir unterstützen bei der Erstellung von Leistungsverzeichnissen.

Sonderformen: Gebogenes Glas, Siebdruck und Emailglas

Neben den Standardtypen gibt es zahlreiche Sonderformen: Gebogenes Glas wird durch thermisches Biegen hergestellt und ist in verschiedenen Radien erhältlich. Siebdruckglas hat eine aufgedruckte Keramikschicht, die im Einbrennprozess dauerhaft mit dem Glas verbunden wird. Es eignet sich für Fassaden, Brüstungen und Sichtschutzanwendungen. Emailglas (opakes Glas) ist vollständig undurchsichtig und wird für Brüstungen, Fassadenverkleidungen und Interieuranwendungen eingesetzt. GlasLotsen berät bei der Auswahl und Planung von Sonderformen.

Beratung durch GlasLotsen: Die richtige Wahl für Ihr Projekt

Die Auswahl des richtigen Glastyps hängt von den Anforderungen des Projekts, den normativen Vorgaben und dem Budget ab. GlasLotsen berät Architekten und Planer bei der Materialauswahl, erstellt Leistungsverzeichnisse und begleitet Projekte von der Planung bis zur Abnahme. Kontakt: www.glaslotsen.de | info@glaslotsen.de

FAQ

Frage: Was ist der Unterschied zwischen ESG und TVG?
Antwort: ESG hat eine höhere Vorspannung und zerfällt im Bruchfall in kleine Krümel. TVG hat eine geringere Vorspannung und bricht ähnlich wie Floatglas in größere Scherben.

Frage: Wann muss ich VSG verwenden?
Antwort: Bei absturzsichernden Verglasungen, Überkopfverglasungen und begehbaren Verglasungen ist VSG vorgeschrieben.

Frage: Kann ESG nachträglich bearbeitet werden?
Antwort: Nein. Nach dem Vorspannen kann ESG nicht mehr zugeschnitten, gebohrt oder bearbeitet werden.

Frage: Was kostet VSG aus ESG?
Antwort: Ca. 80–130 Euro/m² für 2x4 mm ESG mit PVB-Folie. GlasLotsen erstellt ein kostenloses Angebot.

Frage: Welcher Glastyp ist am widerstandsfähigsten gegen thermischen Glasbruch?
Antwort: ESG, da der Vorspannprozess die Zugfestigkeit auf das 3- bis 5-fache erhöht.

bottom of page